03/06/2009 Lilienfelder Bezirksblatt

Working in the Heart of Europe

Original Title: Arbeit im Herzen der EU

Am 7. Juni wird das Europäische Parlament neu gewählt. Die EU ist für viele weit weg – nicht für Martin Säckl. Seit 1993 lebt und arbeitet der Türnitzer in Brüssel in einer Lobbyingagentur.

TÜRNITZ/BRÜSSEL. „Über ein Praktikum in der Europäischen Kommission bin ich für fünf Monate nach Brüssel gekommen und offensichtlich hängen geblieben“, erklärt der 44-jährige Martin Säckl.
Seit dem Jahr 1993, also noch vor dem EU-Beitritt Österreichs, lebt und arbeitet der Türnitzer in der belgischen Hauptstadt.
„Brüssel empfinde ich aber nicht als Ausland. Der Schritt von Türnitz nach Wien war größer“, meint Säckl. Nach Wien musste er des Studiums wegen (Betriebswirtschaft und Kunstgeschichte), das er in London mit einem Master in Kulturmanagement abschloss.
In Brüssel arbeitet Martin Säckl nun als geschäftsführender Partner der Lobbyingagentur eacon; dabei vertritt er die Interessen seiner Kunden gegenüber den EU-Institutionen. „Zu meinen Kunden zählen neben der Österreichischen Trinkwasserversorgungswirtschaft vor allem europäische Ärzte- und Patientenverbände.“ Seine Tätigkeit empfindet er als sehr kommunikationsbezogen und abwechslungsreich: „Ich arbeite mit vielen unterschiedlichen Menschen aus den verschiedensten Ländern zusammen. Ich erlebe eine sehr lebendige Demokratie und kann mein kleines Scherflein zum großen Projekt Europa beitragen. Ich weiß, dass ich durch diese europäische Integration – anders als noch meine Eltern – bisher keinen Krieg miterleben musste. Das soll auch so bleiben“, so Säckl.
Für ihn sei es jedenfalls sehr spannend, in Brüssel zu arbeiten. „Absprachen in Hinterzimmern funktionieren in Brüssel nicht. Hier gibt es einfach zuviele Mitspieler. Mit drei oder vier Spielern kann man ,packeln‘. Mit weit über hundert Spielern funktioniert das nicht mehr. Da zählt die Qualität des Arguments“, erläutert der Türnitzer die Spielregeln in der belgischen Hauptstadt.
Trotz der faszinierenden Stadt Brüssel ist Martin Säckl ein wiederkehrender Gast in seinem Heimatland. „Meine Mutter und mein Bruder leben noch in Türnitz, die ich regelmäßig, etwa vier bis sechs Mal im Jahr, besuche. Zuletzt war ich zu Ostern dort.“
Ob er Österreich vermisst? „Wenn man im Ausland lebt, erkennt man natürlich die Vorzüge seiner Heimat. Die Natur und Lebensqualität von Österreich findet man auf jeden Fall nicht so schnell wo anders wieder“, resümiert Martin Säckl. „Allein der Türnitzer Höger ist doppelt so hoch wie der höchste belgische Punkt. Wenn ich wieder einmal selbst in Türnitz bin, staune ich über unsere Natur wahrscheinlich mehr, als wenn ich dieses Schauspiel täglich vor meiner Nase hätte.“
Zeit für Hobbies bleibt Martin Säckl bei seiner spannenden Arbeit kaum: „Mein liebstes Hobby und größte Aufgabe ist meine zweieinhalbjährige Tochter“, schmunzelt Säckl. Dass in seiner Heimatgemeinde Türnitz die Eibl-Lifte geschlossen wurden, bedauert er: „Nächsten Winter wollte ich ihr auf dem gleichen Berg das Skifahren beibringen, wo ich es vor 40 Jahren gelernt habe. Schade!“

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